Valparaiso und Viña del Mar / Santa Carolina (26.+27.1.)
wir hatten von „unserem“ chilenen, den wir im flugzeug von palma nach deutschland letzten juli getroffen hatten, erfahren, dass man die beiden küstenstädte ohne weiteres an einem tag besichtigen kann. also sind wir mit der metro (die übrigens mindestens so modern ist wie in die von berlin oder barcelona) zum regionalen busterminal und fanden uns kurz nach 12uhr bereits in valparaiso wieder. zuerst gings mit dem roten „turistikbus“ ein paar stationen am hafen von valparaiso entlang und dann nach viña del mar. wenn die stimme aus dem off im bus nicht gesagt hätte, dass wir jetzt gerade (soll heissen irgendwo am hafen) nach viña del mar einfahren. viña del mar empfanden wir als ein großes, buntes treiben. aber es erinnert mich auch eher an einen dieser typischen hochsommerurlaubsorte, die mit ihrer ausgeprägten flaniermeile, ein oder zwei netten parks, eventuell noch einen paar alten sehenswerten gebäuden und vielleicht noch einem museum dem anspruch eines strandurlaubers genüge tun. denn viña del mar ist für seine schöne badeküste bekannt und dient am wochenende vorallem den santiagos als sommerliches ausflugsziel. an sich haben wir auch enorm viele hotels direkt an der küste gefunden, allerdings in teilweise sehr origineller architektur wie inform eines bootes oder einer alten burg auf steilküste nachgeahmt. auch wir haben die heissgelaufenen füsse im kalten meerwasser abgekühlt – das erste mal pazifik :) valparaiso hat in unseren augen viel mehr charme, als alte handelshafenstadt ist sie auch heute noch von großer bedeutung für chile und das tor zur welt für santiago, was man auch an den vielen containern am hafen unschwer erkennt. Die stadt ist von bergen eingekesselt, daher haben sich die meisten arbeiter an den umliegenden hängen um das stadtzentrum angesiedelt und kommen teilweise einzig und allein mit den „ascensores“ (aufzüge) zu ihren häusern. viele dieser ascensores sind über hundert jahre alt und heute noch so holz- und zahnradbeschaffen, spich so original bestückt, wie zu anfangszeiten der stadt und somit neben dem zollgebäude und der handelsbörse (beide mitte 18. jahrhundert) der ganze stolz der stadt, denn die unesco hat valparaiso zum weltkulturerbe erklärt.
die rückfahrt im bus war nicht weniger interessant, denn die strecke von den beiden küstenstädten nach santiago führt durch eines der bekanntesten chilenischen weingebiete „casablanca“ und immer wieder sehen wir am fahrbahnrand den namen einer „viña“ (weinkellerei) angeschieben, die manchmal sogar weit weg von der strasse irgendwo aus mitten seiner reben herausraugt. der dienstag morgen war zu allererst von der planung für unsere weitere reise bestimmt: nun steht es fest, wir fahren dienstagabend mit TurBus in luxoriösem schlafsesselkomfort nach puerto montt weiter. wir werden in ungefähr 12h und 40min über 1000 km zurücklegen und hoffentlich einen großteil der zeit schlafen.
zuvor jedoch haben wir mit ein bisschen glück doch noch eine viña gefunden, die wir nach kurzer anreise erreichen können und uns somit wie massgeschneidert in den tag hineinpasst. In einem etwas ausserhalb gelegenen industriegebiet santaigos gelegen, schwindet der erste eindruck und die enttäuschung darüber mit dem weinglas nicht durch die rebstöcke spazieren zukönnen schnell, als wir den alten innenhof des ehemaligen wohnhauser der weinarbeiter betreten. Aufgrund seiner guterhaltenen struktur und der besonderen bauweise ist die viña „santa carolina“ heute mit dem „kuckuck“ versehen, also geschützt als „monumento historico“. mit nur noch 2 weiteren besuchern kommen wir in den genuss einer exklusiven führung in die welt des chilenischen weines und dürfen zwei rote premiumweine riechen, sürfeln und schluck für schluck geniessen. einer von beiden ist ein 100% „carmenère“, der gleichnamige rebstock ist vor vielen hundert jahren aus frankreich nach chile gekommen, in seinem urpsrungsland ebenso schon seit mehreren jahrhunderten nicht mehr kultiviert und in chile erst vor 40 jahren wieder entdeckt. zwischenzeitlich ist diese traube als „merlot“ verkauft worden aus unwissenheit und eben vor wenigen jahrzehnten hat eine feine französische nase festgestellt, dass dieser merlot nicht schmeckt. so wurde die längst ausgestorben geglaubte traube „carmenère“ wiederentdeckt. die leidenschaft unserer weinführerrin überträgt sich schnell und wir wandeln begeistert durch den wunderschönen, ruhigen patio, steigen hinab in alte lagerräume, abfüllkammern und den imposanten weinkeller, welcher der französischen gewölbearchitektur nachgeahmt wurde und durch diese besondere bauweise schon seit über 140 jahren jeden erdbeben trotzt und sicherlich zurecht den einen oder anderen preis für seine edlen tropfen gewonnen hat. Aufgrund unserer reiseumstände haben wir fragen lassen, ob es möglich ist „santa carolina“ weine in spanien zu beziehen, was leider nicht möglich ist, da spanien ja selbst weinexporteur ist und damit keine nachfrage besteht. Aber ein paar wenige werden nach deutschland importiert. mit einer leckeren spätlese aus sauvignon blanc (85%) und „gewurstramine“ - wie die chilenen sagen ;) - (15%) und zwei kleinen flaschen als geschenk kämpfen wir uns den weg zurück zum patio suizo durch die immernoch heisse nachmittagssonne. wir können uns dort noch ein bisschen ausruhen, auf die nachtbusreise vorbereiten und ziehen dann erneut vollbepackt mit kraxen, rucksack und tasche zur überlandbusterminal. die erste stunde im bus fahren wir noch bei untergehender sonne südwärts immer zu unserer linken die silhouette der anden. das nächste was wir nach sonnenaufgang wiedersehen werden ist das relief des noch immer aktiven vulkans osorno und nachher in puerto montt vorerst bewölkt und 15°C kälter. Harald hält grad noch ein kleines schläferstündchen und gegen mittag werden wir dann sicherlich erste erkundungen in die hauptstadt der seenregion (región de los lagos) machen.
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