Torres Del Paine, Puerto Natales, Punta Arenas (14.-20.2.)
Torres Del Paine und Puerto Natales
Vom beängstigend stürmischen Flugplatz Balmaceda startet die Boing dennoch angenehm ruhig gen südlichsten Zipfel und geografisches Zentrum Chiles ;), welches sich wenige Kilometer nördlich von Punta Arenas befindet (da es auf der Antarktis chilenisches Territorium gibt und das natürlich mit einbezogen wird.) Wir organisieren die Bustickets nach Puerto Natales für den gleichen Abend und für Nationalpark Torres del Paine für den Folgetag. Von beiden Städten haben wir so gut wie nichts gesehen, denn es galt die Vorbereitungen zu treffen und Erledigungen zu machen für unseren 4-tägigen Wanderetrip durch eben diesen bekannnten Park.
Am nächsten Morgen 7 Uhr starten wir noch etwas verschlafen und voller Wanderlust. Das Campinequipment haben wir durch Zufall noch am vorherigen Abend in Puerto Natales ausleihen können. Verpflegung haben wir sogar einen Tag vorher in Punta Arenas geholt.
Wir haben Großes vor: 4 Nächte, ein strategisch günstiger Campinplatz und die bekannte W-Route, was in 4 Tagen auch zuschaffen ist. Wir erreichen nach 120km und 4h Anfahrt unseren Campinplatz. Mit der Karte in der hand, auf der auch alle Distanzen markiert sind, stellen wir fest, dass wir das auch dynamisch machen können und überlegen ernsthaft nur 2 Nächte auf dem ersten Platz zu bleiben und die andern beiden jeweils weiter zu ziehen mit Kraxen und allem, was so dran gehört. Die ersten Eindrücke sind von gemischten Gefühlen gezeichnet: eine vergleichsweise teure Parkeintrittsgebühr (15.000 Chil.P. (ca.19euro), bisher immer 2.000 - 4.000 pesos), eine nicht minder preisintensive Seeüberfahrt im Catamaran, auf den ersten Blick eine schier unglaubliche Masse an Backpackern (die sich dennoch tatsächlich ungemein schnell verlaufen), das erste Hochgefühl als unser kleines Zelt dann seinen Platz auf dem wohl modernsten aller Campingplätze des Parks (kostenlose heiße Duschen, Lodge mit Bistro und Café Lounge) gefunden hat und sich die Wolken lichten. Auch kommen uns Bedenken auf bei dem Wind, welcher einige Zelte schon eingefaltet hat und an unserem bereits verdächtig rüttelt. Mit schweren Steinen sichern wir lockere Seiten und alle wichtigen Heringe. Es regnet leicht, kräftige Böen trocknen jedoch alles wieder in den kurzen Regenpausen. In Anbetracht der recht langwierigen Aufbau-Abbau-Geschichte beschliessen wir uns diese nicht dreimal aufzubürden und verwerfen den überaus verrückten Plan mit dem dreifachen Umzug.
Wir nehmen die erste kleine Aufwärmanderung in Angriff und stapfen durch den einsamen Park (da der Wanderweg nicht teil eines Rundweges ist) zum Mirador und werden entschädigt mit einem ersten überwältigenden Anblick auf die “Cuernos del Paine”, Bergspitzen mit bis zu 2600m, die wie Hörner (cuernos) aussehen. Ein neuer Plan: wir bleiben nur 2 Nächte auf dem ersten Campingplatz, dann fahren wir mit dem Katamaran zurück und nehmen den Bus zur Hosteria am anderen Ende des “W” und kriegen so die “Torres” mit -auch Bergspitzen, wie könnts auch anders sein, aber die bekanntesten und die Namensgeber des Parks ;)- und den letzten Teil der Strecke.
Wir kehren ein im “Quincho”, einer großen, runden Holzhütte, welche als Küchenteil (mit Gas und fließendem Wasser) für die Camper und andere Selbstversorger dient, wie jene aus der “Lodge Paine Grande”(ein Refugio des 21. Jahrhunderts) gleich nebenan (übrigens auch zu horenten Preisen). Wir lernen eine chilenische Familie kennen und erhalten von den “Torres del Paine-Wiederholungstätern”, die den weitaus anspruchsvolleren O-Wanderweg (mindestens 9 Tage) bereits hinter sich gebracht hatten, einige hilfreiche Tipps. Kurz vor Sonnenunterrgang werden wir belohnt mit einem vollends freien Blick auf die über dem Campingplatz tronenden “Cuernos”. Dann wird es schnell dunkel und wir beziehen bereits um 10 unsere Schhlafsäcke im Zelt um ganz früh unter den ersten zu sein, die loszuziehen. Das wird die Mammuttour: 9 Stunden straffe Wanderung.
Mit dem Sonnenaufgang gehts raus aus dem Federn nach einer sehr anfänglich sehr windigen Nacht, die daher von sehr unruhigem Schlaf geprägt war. Es regnet, doch das trübt unseren Wandermut kein bisschen. Wir frühstücken ein bisschen nach dem Waschen, machen Tee für die Wanderung und ein paar kleine Snacks. Gut verpackt in Jacken und Kaputzen stiefeln wir los. Die erste Etappe sind 2 Stunden über flaches Gelände und Ziel ist das “Campamento italiano”. Es regnet immernoch. Die Jacken halten das ab und wir legen einen guten Schritt vor. Nach ca. einer Stunde kommen uns zwei junge Amerikaner entgegen, die wir am Abend zuvor schon im “Quincho” gesehen hatten. Sie wollten die gleiche Tour machen, haben aber designiert, die Wege werden richtig schlammig und wenn man Pfützen umgeht bekommt man das Wasser von Büschen und Wiesen ab. Die zwei waren durchgeweicht und absolut deprimiert, da dies bereits der zweite Versuch war, das “W” zu bezwingen. Es regnet immernoch, aber wir lassen uns von denen nicht die Laune verderben und bleiben optimistisch. Es regnet stärker. Die Wege werden schlammiger und teilweise unbegehbar, es bilden sich kleine Bäche in den eingelaufenen Wegen. Wir sind gezwungen sind auf Steinen und Ästen hin und her zu hüpfen oder kleinere Trampelpfade durch Gras und Büsche am Wegesrand zu nutzen. Die Wanderlust ist am Taumeln, nachdem wir noch mehr Durchnässte treffen, die verkünden, dass sie vorzeitig umgedreht sind. In Anbetracht der Tatsache, dass auch unsere Jeans bis zu den Oberschenkeln nass waren. Die Jacken, welche eigentlich vor Regen schützen sollten, schienen auf seltsame Art und Weise den Namen Regenjacke genau verkehrtherum verstanden zu haben und waren ebenso bis zum Innenfutter nass. Wir gestehen uns ein, dass wir (wetterkleidungstechnisch) nicht ausreichend vorbereitet sind, nehmen wenigstens den Snack zu uns und trinken ein paar heisse Schlucke, damit Harald nicht mehr so schwer tragen muss und kehren um. Der Regen wird noch stärker und mit jedem Gegenverkehr (eingepackt mit riesigen Ponchos oder festen Regenjacken) wächst die Bewunderung für deren Kampfgeist und das Einsehen, dass wir uns für diesen Teil der Reise nicht ausreichend präpariert hatten. Auch unsere Besorgnis um unser Zelt steigt mit jedem Schritt zurück. Die schlimmste Befürchtung, dass alles im Zelt komplett durchgeweicht ist, tritt nicht ein. Dennoch das Gegenteil ist auch nicht der Fall, denn die ersten Tropfen hatten sich ihren Weg bereits durch das Überzelt gebahnt und kullerten unaufhörlich Richtung Zelteingang. Wir wechselten das gesamte Outfit, schnappen uns die nassen Jacken und setzen uns in die Café Lounge des Refugio um zu trocknen und aufzuwärmen. Einige Leute hatten wohl den Tag für Wanderungen sein gelassen von vornherein und es sich im Restaurant bzw. im Café bequem gemacht, es war mächtiger Andrang. Daneben saßen die neu dazugekommen welche sich von anderen Campingplätzen auf den Weg gemacht hatten, die Heizungen füllten sich mit Jacken, Hosen und Schuhen während die Scheiben undurchsichtig worden. Ein neuer Plan: Wir müssen designiert zugeben, dass das Glück uns hier nicht treu geblieben ist und wir besser vorzeitig zurückkehren sollten. Denn das Wetter versprach keine Änderung und in einem nassen Zelt trocknet keine Kleidung und schläft es sich schlecht. Der finale Schlachtplan wird ratifiziert: unter noch immer starkem Regen, die Küchenutensilien so besorgen und uns das “Henkermahl” zu kochen (seit dem Morgen gab es kein Gas mehr in der Küche und wir können uns einen Butangaskocher leihen), dann die Rücksacke packen und unterstellen noch am gleichen Abend mit dem letzten Katamaran bzw. letzten Bus zurück nach Puerto Natales. Der wohl abenteuerreichste und spontanste Teil der gesamten Reise.
Wir bekommen im gleichen Hostal noch ein Zimmer, wo wir auch gleich für die weiteren 2 Nächte bleiben können, duschen heiss und fallen totmüde ins Bett. Auch etwas positives können wir dem Intermezzo abringen, denn so haben wir einen Tag “frei” und können unseren Blog etwas aufbereiten, das hübsche Städtchen Puerto Natales erkunden und gleichzeitig den größten Teil unserer Mitbringselerledigungen machen und wir gewinnen Zeit für einen 16-stündigen Ausflug nach El Calafate (Argentinien) zum großen Gletscher “Perito Moreno”. Zur großen Freude von Harald, denn es gibt am Gletscher unzählige Motive für schöne Panoramaaufnahmen und zur Freude von Antje, die letzendlich doch zwei argentinische Stempel im Pass hat, neben 6 chilenischen ;). Leider gibt es zu Haralds Ärgerniss keinen großen Eisabgang am Gletscher während die Kamera bereit ist, die knirschenden, blau leuchtenden Eismassen auch so ein Erlebnis. Ausserdem werden wir einen Tag eher nach Punta Arenas zurückkehren und das erlaubt uns wiederum noch die Teilnahme an der Ausfahrt zur Isla Magdalena, einem kleinen Monumento Natural, wo sich zu dieser Zeit des Jahres tausende Pinguine zum Brüten und Fellwechsel versammeln.
Punta Arenas und no hay lugar como hogar (Vorfreude auf die Heimkehr)
Ein bisschen erkunden wir auch Punta Arenas, wobei es in diesen jungen Städten nicht soviele Orte gibt, die man erkunden kann, neben Museen und Ausstellungen über die etnischen, ausgestorbenen Ureinwohner oder die Entdecker aus Europa vom 17. und 18. Jahrhundert. Den Beinamen “Fin del Mundo” hat diese Region auch deswegen erhalten, weil es das letzte Fleckchen Erde gewesen ist, was erkundet worden ist. Weite Teile des chilenischen und argentinischen Patagoniens sind heute noch so schwer zugänglich, dass die urige Begebenheit erhalten geblieben ist. Die Kolonien hatten auf dem kargen Boden harte Zeiten, erst Estancias (Schaffarmen) und Fischer von Chiloe konnten richtige Erfolge verbuchen (Feuerland gilt als das Gebiet für Fliegenfischen. Leider wird heute mehr und mehr auf die verborgenen Bodenschätze gegiert, zum Teil auch die unter dem immerwährenden Eis (“Campo des Hielo Norte” und “Sur”) zwischen den Gebirgszügen.
Ein bisschen bekommen wir auch den generellen “Konflikt” zwischen Chile und Argentinien mit, der weniger zwischen den Landsleuten ausgetragen wird (natürlich schon, aber oft auf die freundschaftlich neckende Weise) sondern eher auf der Ebene der Regierung. Denn es gibt sehr viele Chilenen, die in Argentinien leben und arbeiten und umgedreht, dass der Streit eigentlich unbegründet ist. Gestritten wird zwischen den Ländern um Teile der Grenze, welche aufgrund der durchgehenden Eisfläche in Südpatagonien für ca. 50km noch immer nicht klar definiert ist.
Wovor die Chilenen allerdings wirklich sehr viel Angst haben sind Früchte und jegliche Lebensmittel tierischer oder pflanzlicher Herkunft. Wir sind bei jeder der drei Einreisen akribisch gefiltzt worden nach diese Produkten, wie mancheiner es aus dem USA kennt, wo allerdings nach Waffen oder Sprengstoff oder Drogen gesucht wird. In Chile suchen die “Carabineros” (Polizei) Früchte. Im Nachhinein haben wir erfahren, dass wir nicht einmal die Mate-Kalabasse, die wir in El Calafate kaufen wollten, hätten einführen dürfen, weil sie aus einem getrockneten Kürbis besteht. Der Grund ist einfach, Chile hat viele Plagen nicht, die es in den restlichen südamerikanischen Ländern und der gesamten Welt gibt, wie die Obstfliege, die Reblaus, Gelbfieber etc. und möchten sich und ihre Wirtschaft natürlich davor schützen. Ohne dieses Hintergrundwissen ist die Beschilderung mit dem rot druchgestrichenen Granny Smith-Apfel und dem Slogan “Sie wissen gar nicht, wie gefährlich Ihr Gepäck sein kann!” an den Grenzübergangen und am Flughafen recht bizarr.
Generell haben die Städte einen ganz anderen Charme, als in Europa. Man spürt, dass die Städte keine jahrhundertelange Geschichte erlebt haben, zum Teil nicht einmal ein halbes Jahrhundert alt sind. Die Architektur ist gekennzeichnet von dem verschedenen Einflüssen der Kolonialisten und verfügt selten über ein kulturellen Stadtkern. Das Zentrem dreht sich meist um den Waffenplatz (Plaza de Armas) oder je nach Bedeutung des Ortes auch um den Hafen.
Der Ausflug zur Pinguin-Insel startet morgens zum Sonnenaufgang gegen 7 Uhr, um pünktlich auf der Insel zu sein, wenn die Pinguine aktiv werden und fischen gehen. Die Ausfahrt mit dem “Zodiac” (großes, motorisiertes Gummiboot) über die Magallanstrasse ist von extrem gutem Wetter geprägt und wir halten Ausschau nach Delfinen und Seelöwen, leider ohne Erfolg. Über und neben uns gleiten Comorane und Albatrosse durch die Morgenlüfte. Wir legen an der Insel Magdalena an und wandeln auf dem gekennzeichneten und abgesperrten Weg durch das Naturmonument in Richtung Leuchtturm vorbei an schlafenden, kamerascheuen und weniger kamerascheuen, mitten auf dem Weg liegenden Pinguinen. Auf der Rückfahrt drehen wir noch eine Runde entlang der Nachbarinsel Marta, welche nicht betreten werden darf. Dafür fahren wir langsam und nah genug ans Ufer und sehen die Seelöwen am Ufer in der Sonne liegen oder neugierig ganz nah an unser Boot herangeschwommen kommen. Auf dem weiteren Heimweg geht es über kleinere Wellen schon etwas lauter, wir wollen uns gar nicht vorstellen wie es sich über 3 oder gar 6m Wellen hüpft.
Am Nachmittag besorgen wir die letzen Einkäufe für die Heimfahrt und besuchen zum Abschlußessen ein Restaurant genannt “La Marmita”, was für den guten Fisch und bei Einheimischen beliebt ist. Harald gibt den Anstoß zu einer ersten, angeregten Auswertung unseres Chile-Flitterwochen-Urlaubs, die darin resultiert, dass dieser erst der Anfang war. Und am Mittag des Folgetages treten wir den ersten Teil unserer Heimreise an, den Flug Punta Arenas - Santiago, von dortaus wir dann einen Tag später nach Madrid starten. Vorher ging es noch einmal quer durch die Stadt um uns in “unserer” Viña Santa Carolina mit chilenischem Wein einzudecken (soweit mit Rucksäcken möglich).
Diesen letzten Satz schreiben wir kurz vorm Boarding nach Palma de Mallorca, mit Vorfreude auf unser kleines aber feines “da Heeme” und der Hoffnung dass alle Mitbringsel heil geblieben sind.
11 months ago | Comments (View)